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review, Freie Presse, Chemnitz, 28. Juni, 2019

review, Freie Presse, Chemnitz, 28. Juni, 2019
Die Galerie Borssenanger zeigt neue Arbeiten von Sabine Friesicke und anderen Künstlern, die sich mit der Zeit beschäftigen. Dafür muss man ein bisschen Zeit mitbringen.

Chemnitz. "Woher kommt das Universum, und wohin entwickelt es sich? Hatte es wirklich einen Anfang? Und wenn, was geschah davor? Was ist die Zeit? Wird sie je ein Ende finden? Können wir in der Zeit zurückgehen?" Dies fragte der Physiker Stephen W. Hawking (1942 - 2018) in seinem Welt-Bestseller "Eine kurze Geschichte der Zeit". Und er ergänzte: "Im Grunde bewegen nur zwei Fragen die Menschheit: Wie hat alles angefangen und wie wird alles enden?" Dazwischen jedenfalls vergeht Zeit. Hawking hat nach einer wissenschaftlichen Erklärung des Phänomens der Zeit gesucht, er stellte Fragen, die fast jeden Menschen bewegen - und wenn es nur die Frage nach Anfang und Ende der eigenen Zeit auf Erden ist.
Für die aktuelle Ausstellung "Zeit-Sichten" in der Galerie Borssenanger hat Galerist Ulf Kallscheidt Künstlerinnen und Künstler eingeladen, die auf ihre Weise nach der Zeit fragen. Ausgangspunkt sind neue Arbeiten der 1960 in Hamburg geborenen Künstlerin Sabine Friesicke. Sie zeichnet und malt nach dem Sekundentakt eines Metronoms. So entstehen großformatige monochrome Gemälde, die farbigen Geweben gleichen - ein Ausschnitt der Zeit, in der sie entstanden, manchmal auf die Sekunde genau im Titel vermerkt, "42240 seconds", meist aber auch nur als "times of the day", "Zeiten des Tages", bezeichnet. Noch deutlicher wird ihre Absicht in den "Inseln der Zeit", "Islands Of Time": Nur wenige Linien, mal exakt horizontal, mal abfallend, aufsteigend, sich verdichtend, sind auf gefundenen, zu Collagen zusammengeklebten Papieren unterschiedlicher Beschaffenheit zu sehen, die an einer weißen Wand wie berührende Momente einer Aktivität oder Kreativität in einer ansonsten ereignislosen, "weißen" Zeit wirken.
Ganz ähnlich konzeptionell arbeitete Hanne Darboven (1941 - 2009), die ein eigenes Codesystem für die Zeit entwickelte. Von der international bekannten Künstlerin ist eine relativ frühe Monotypie aus dem Jahr 1976 zu sehen. Ebenso berühmt ist der japanische Konzeptkünstler On Kawara (1933 - 2014). Er machte sein rastloses Leben zum Kunstwerk, indem er in seinen Arbeiten auf Zeit und Ort des Aufenthalts Bezug nahm. In Chemnitz sind zwei seiner berühmten Postkarten zu sehen, die er von 1968 bis 1979 täglich an zwei Personen schickte - jeweils mit dem Aufdruck "I got up at", "ich stand auf um ...", und der genauen Uhrzeit des Aufstehens sowie einem Bild seines momentanen Aufenthaltsortes versehen. Diese minimalistische Variante eines "Lebenszeichens" verfehlt nicht ihre Wirkung in einer Zeit, da diese Reihe der Postkarten in vielen Orten der Welt in jedem Moment abrupt beendet werden kann - durch Krieg, Morde, Hunger, den Tod auf der Flucht. Inge Krause nimmt in ihren Arbeiten oft auf die unmittelbare Gegenwart Bezug. Sie zeigt Zeichnungen nach Titelfotos der Süddeutschen Zeitung aus den Jahren 2007/2008, die sie durch unscharf verfremdende Linien aus ihrem tagesaktuellen Bezug löst und ihnen eine in der Erinnerung verschwimmende Dauer gibt. Hanns Schimansky, 1949 in Bitterfeld geboren, lange Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, zerhackt den Fluss der Zeit in kürzere und längere Striche, die geordnet, aber auch wild durcheinander dahinströmen. Ganz ähnlich der Ansatz des Stuttgarters Thomas Müller (geboren 1959), der in seinen mal ganz dichten, linienreichen, mal fast leeren Blättern poetisch mit dem Empfinden von Zeit spielt.
Diese kurzen künstlerischen Geschichten der Zeit verzichten - bis auf die Arbeiten von Inge Krause - gänzlich auf Gegenständliches, Figürlichkeit, dokumentieren mit eher minimalistischen Mitteln, aber seismografisch genau, wie Künstler, wie wir Menschen Zeit empfinden - als beglückend dichte Momente oder als beängstigende Leere. Und wie sehr dieses Empfinden davon abhängt, was wir selbst tun. Oder wie Stephen Hawking es formuliert hat: "So lange es Leben gibt, gibt es Hoffnung."
Die Ausstellung"Zeit-Sichten" ist bis zum 19. Juli in der Galerie Borssenanger, Chemnitz, Straße der Nationen 2 - 4, zu sehen: dienstags bis freitags 14 bis 18, samstags 11 bis 15 Uhr. www.borssenanger.de

GALERIE BORSSENANGER //ERÖFFNUNG: SABINE FRIESICKE |  ZEIT-SICHTEN/ MIT ON KAWARA, HANNE DARBOVEN U.A. /  21.06.2019 / 19.30 UHR

GALERIE BORSSENANGER //ERÖFFNUNG: SABINE FRIESICKE |  ZEIT-SICHTEN/ MIT ON KAWARA, HANNE DARBOVEN U.A. /  21.06.2019 / 19.30 UHR
Sabine Friesicke
Neue Zeichnungen und Malerei/ new drawings and paintings
with Hanne Darboven, On Kawara, Inge Krause, Thomas Mueller, Hanns Schimansky

Die Zeit, Die Zeit

Neue Arbeiten auf Papier und Leinwand
13. April- 4.Mai 2019

Zur Eroeffnung der Ausstellung
am Samstag, 13. April 2019, 12-15 Uhr
laden wir Sie herzlich ein

Studio Donata Wenders
Gipsstrasse 9, in der Remise
        10119 Berlin

Oeffnungszeiten: Freitag-Sonntag 12-18 Uhr
Gallery weekend, 25.4.- 28.4.        11-18 Uhr
Sowie nach Vereinbarung. 
Phone: +49 176 5134 3164




Wintersalon/ Frische Arbeiten

Galerie Borssenanger
Straße der Nationen 2-4 (Eingang Johannisplatz)
D-09111 Chemnitz

Gruppenausstellung, group exhibition,
18.1 - 8.3. 2019

Alles II

Gruppenausstellung, group exhibition
studio im HOCHHAUS
Zingster Strasse 25
13051 Berlin
23. Januar 2019-3. April 2019

Zeit-Zeichen

Sabine Friesicke, Inge Krause
Ausstellungseröffnung:
Dienstag | 19. Juni 2018 | 19 Uhr
Ausstellung vom 20. Juni bis 22. August 2018
studio im HOCHHAUS
Zingster Straße 25, 13051 Berlin

Ausstellung artspring central mit Arbeiten der an artspring beteiligten Künstlerinnen und Künstler in der Ausstellungshalle des Museums Pankow, 25.April bis 27. Mai 2018

Ausstellungshalle des Museum Pankow
Prenzlauer Allee 227
10405 Berlin
Bis 27. Mai, Di-So 10-18 Uhr




ALLES! Ausstellung vom 24. Januar bis 4. April 2018

Gruppenausstellung, studio im Hochhaus, Berlin

Gold&Black&White

Gold&Black&White, group exhibition,
December 9-January 31, 2018
Argazzi-Art, Connecticut, CT

Selections from the Kentler Flatfiles: New Additions

 
The exhibition will open on Friday, November 10 with a reception from 6-8pm, and will run through Sunday, December 17. 

Kentler International Drawing Space
353 Van Brunt Street
(Red Hook) Brooklyn, New York 11231-1245